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Beitrags-Archiv

23. Mai 2016

Wenn das Leben gefühlt teurer wird: Was sagt die offizielle Inflationsrate aus?

Viele Preise steigen jedes Jahr, das Leben wird teurer. Doch in den Medien lesen oder hören wir mit schöner Regelmäßigkeit von historisch niedrigen Inflationsraten. Wie passt das zusammen? Werden wir Bürger in Sachen Preissteigerung von der Politik getäuscht?

Mangelndes Wirtschaftswissen der deutschen Bevölkerung

In Zeiten sehr niedriger Zinsen werden die Menschen sensibel für die Inflationsrate. Wir erleben das in unserer Beratungspraxis immer wieder: Man berichtet uns von laufend steigenden Preisen, während gleichzeitig die offiziell verlautbarte Inflationsrate auffallend niedrig ausfällt. Unsere Kunden wundern sich dann: Wie passen ihre erlebte Wirklichkeit und die mediale Darstellung der Teuerungsrate zusammen? Gibt es gar so etwas wie eine Verschwörung der Politik gegenüber uns Bürgern?

Jeder Mensch erlebt Inflation anders

Selbstverständlich hat sich die Politik nicht gegen uns Bürger verschworen. Dennoch lohnt das Thema der Inflationsrate einer näheren Betrachtung: Denn im Grunde genommen gibt es so etwas wie die "eine und einzig wahre" Inflationsrate gar nicht.

Jeder Mensch erlebt Inflation ganz individuell, weil sein Warenkorb sich von allen anderen Warenkörben unterscheidet - wenn auch oft nur in Nuancen. Für die offizielle Statistik ist das ein Problem, denn sie kann ja nicht für jeden Bürger individuell dessen persönliche Inflationsrate berechnen.

Deshalb wird beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden ein durchschnittlicher Warenkorb verwendet, dessen Zusammensetzung einerseits über lange Zeiträume gleich bleiben soll, damit sich die Teuerungsrate möglichst exakt ermitteln lässt, der andererseits aber auch von Zeit zu Zeit den sich ändernden Konsumgewohnheiten in der Bevölkerung Rechnung tragen muss.

Ein Haushalt mit 2,3 Personen

Dass dieser statistische Warenkorb die eigene Wirklichkeit selten richtig widerspiegelt, lässt sich allein schon aus der Tatsache ableiten, dass er auf eine Haushaltsgröße von 2,3 Personen bezogen ist. Diese Haushaltsgröße ist selbst ein statistischer Mittelwert, der keinem echten Haushalt genau entspricht. Oder kaufen Sie etwa regelmäßig für 2,3 Personen ein?

Kompromisse müssen auch bei der Zusammensetzung des Warenkorbs gemacht werden. So werden etwa elektronische Haushaltsgeräte wie Fernseher, Computer und Smartphones zwar berücksichtigt, aber eben nur mit einem starren Wert. Nun wissen wir aber, dass junge Menschen häufiger ihre elektronischen Geräte gegen neue ersetzen und nicht selten auch mehr davon besitzen als so mancher Rentner. 

Weil die Unterhaltungselektronik preisdämpfend in der Statistik angesetzt wird, kann daraus gefolgert werden, dass die offizielle Inflation für Rentner tendenziell zu niedrig ausgewiesen wird, während sie für die jungen, computer-affinen Menschen vielleicht etwas zu hoch erscheint.

Starke individuelle Schwankungen ergeben sich auch aus den Preisen für Energie. Wer etwa in Besitz eines schon etwas älteren Einfamilienhauses mit einer Ölheizung ist, kann ein Lied von den Preisschwankungen beim Heizöl singen. Diese schwanken nämlich viel stärker als es die offizielle Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes zum Ausdruck bringen könnte.

Die persönliche Inflationsrate selbst berechnen

Unsere Ausführungen machen deutlich, dass die Inflationsrate nie mehr als nur ein grober statistischer Mittelwert sein kann. Wer es für sich selbst genauer wissen will, kann sich an einer eigenen Berechnung versuchen.

An den Hilfsmitteln wie Papier, Bleistift und Taschenrechner werden Sie sicher nicht scheitern. Gut möglich ist jedoch, dass Ihnen die Ermittlung ihres eigenen Warenkorbes zur ausgesprochen aufwendigen und zermürbenden Arbeit wird, weil sich für erstaunlich viele Gegenstände nicht genau sagen lässt, in welchen Abständen diese neu angeschafft werden.

Das aber zeigt nur, vor welchen Problemen die Statistiker stehen, die mit ihrem Warenkorb das Leben eines durchschnittlichen deutschen Privathaushalts möglichst genau nachzeichnen müssen. Eine vereinfachte Methode zur Ermittlung der persönlichen Inflation bietet ganz aktuell Spiegel-Online mit einem Inflationsrechner auf deren Webseite. 

Politik und Inflation

Unterstellungen an die Politik, diese würde mit einer "scheinbar" niedrigen Inflationsrate Ungerechtigkeiten zementieren oder gar eine Vermögensumschichtung von unten nach oben betreiben, sind also aus der Luft gegriffen. Denn die Politik übt gar keinen Einfluss aus auf die Ermittlung der offiziellen Teuerungsrate.

Selbst wenn das Innenministerium hier Einfluss nehmen würde: Die Verantwortlichen müssten dann schon jeden Monat und das über sehr lange Zeiträume hinweg mitmischen, um den amtlichen Warenkorb immer so zu justieren, dass die daraus berechnete Inflationsrate möglichst gering ausfällt. Ein Blick auf die Zahlen der letzten 20 Jahre zeigt, dass das gar nicht der Fall sein kann.

Würde auch nur sporadisch eingegriffen, so wäre völlig unklar, wie lange eine Manipulation die gewünschte Wirkung erzielt und ab wann sich daraus ein genau gegenteiliger Effekt ergeben würde. Preise schwanken eben permanent und das nach oben ebenso wie nach unten.

Die gefühlte Inflation  

Unser Fazit: Mit Ihrer gefühlten Inflation liegen sie bestimmt gar nicht so falsch. Nur dürfen Sie nicht den Fehler machen, von sich auf andere zu schließen. Denn jeder Mensch bzw. Haushalt setzt seine Prioritäten etwas anders und erlebt Inflation deshalb auch anders.

Anne Kurschewitz

Anne Kurschewitz

Neben ihrem Masterstudium in Internationalem Wirtschafts- und Unternehmensrecht unterstützt Anne Kurschewitz die Geschäftsleitung von Hengstenberg & Partner bei der Organisationsentwicklung. Sie vertritt die junge Generation bei H+P und bloggt über entsprechende Themen.

Autor: Anne Kurschewitz Datum: 23. Mai 2016

Kategorien: In den Medien, Kapitalanlage

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