ChatGPT, Gemini, Perplexity – KI-Tools sind legitime Helfer für erste Recherchen. Sie erklären Fachbegriffe, zeigen Konzepte und geben schnelle Orientierung. Warum also nicht auch Versicherungsfragen damit klären? Die Idee klingt verlockend: kostenlos, jederzeit verfügbar, vermeintlich neutral.
Für Grundlagenwissen sind sie hervorragend geeignet. Aber für finale Entscheidungen bei Versicherung und Vorsorge stoßen sie an systematische Grenzen: Keine Haftung für Fehlberatung. Keine Begleitung im Schadenfall. Keine persönliche Beziehung über Jahre. Künstliche Intelligenz als Einstieg? Absolut. Als Ersatz für professionelle Beratung? Eher nicht.
Was "die KI" bei Versicherungsfragen kann – und was nicht
Die Stärken: Information und erste Orientierung
KI-Sprachmodelle wie ChatGPT oder Googles Gemini greifen auf riesige Datenmengen zu und können bei richtiger Nutzung erstaunlich präzise Analysen liefern.
- Sie erklären Versicherungsbegriffe verständlich und antworten geduldig auf Nachfragen
- Sie können Unterschiede zwischen Versicherungsarten detailliert aufzeigen
- Sie fassen Vertragswerke allgemeinverständlich zusammen oder destillieren wichtige Aspekte heraus
- Sie erkennen bei gezielten Prompts auch Feinheiten in den Vertragsbedingungen
Für Einarbeitung und Grundverständnis sind diese Tools hervorragend geeignet. Wer noch nie von Berufsunfähigkeitsversicherung gehört hat, bekommt bei ChatGPT eine fundierte Einführung – und bei detaillierten Nachfragen auch tiefere Einblicke.
Die Grenzen: Wo Künstliche Intelligenz an Systemgrenzen stößt
Sobald es um konkrete Entscheidungen geht, zeigen sich strukturelle Grenzen:
- Keine individuelle Bedarfsanalyse im Gespräch:
Chat GPT fragt Parameter ab – Alter, Beruf, Familienstand. Aber erfasst es die Nuancen Ihrer beruflichen Risiken? Gesundheitsvorgeschichte mit allen Besonderheiten? Konkrete Zukunftspläne? Im Dialog mit einem erfahrenen Versicherungsmakler kämen solche Details ans Licht. - Halluzinationen als Restrisiko:
KI-Modelle werden besser, aber sie produzieren gelegentlich fehlerhafte Informationen – präsentiert mit derselben Überzeugung wie korrekte Fakten. Bei Versicherungsfragen kann das teuer werden. - Keine Praxiserfahrung mit Versicherern:
KI hat Datenmenge. Aber keine jahrelange Erfahrung damit, welcher Versicherer Schäden professionell abwickelt, wo es im Kleingedruckten Fallstricke gibt. Dieses Erfahrungswissen aus hunderten Schadensfällen steht in keiner Datenbank. - Keine Begleitung im Schadenfall:
Eine Künstliche Intelligenz kann keine Schadensmeldung durchsetzen, nicht mit Versicherern verhandeln und sich nicht für Sie beim Versicherer einsetzen, wenn die Zahlung verweigert wird. Genau das ist aber oft der entscheidende Moment. - Keine persönliche Haftung:
Ein Chat GPT oder Googles Gemini haften für nichts. Wenn die Empfehlung sich als ungeeignet herausstellt – Ihr Problem. Ein Versicherungsmakler haftet mit seiner Vermögensschadenhaftpflicht für jede Beratung.
KI als Recherche-Tool? Ja. Als Ersatz für Beratung? Nein.
Kunden kommen zu uns und sagen: "ChatGPT hat mir detaillierte Analysen geliefert." Das schätzen wir – gut informierte Kunden stellen bessere Fragen. Aber dann schauen wir genauer hin und stellen fest: Die Künstliche Intelligenz hat Details übersehen oder die Prompts des Kunden waren nicht zielführend.
Andrik Kurschewitz
Geschäftsführer und Gesellschafter
Halluzinationen: Ein Restrisiko bei Finanzentscheidungen
Die hinter den bekannten Tools steckenden Large-Language-Modelle werden ständig besser, aber ein Problem bleibt: Halluzinationen. Gemeint sind fehlerhafte Ausgaben, bei denen KI-Systeme überzeugende, aber erfundene Inhalte produzieren.
Warum halluzinieren die KI-Modelle?
Die Sprachmodelle arbeiten probabilistisch – sie berechnen die wahrscheinlichste Fortsetzung eines Textes. Klingt dann überzeugend, ist aber dennoch falsch. Die Hauptursachen:
- Lückenhafte Trainingsdaten: Unvollständige oder fehlerhafte Informationen im Training
- Fehlende Quellenprüfung: Auch mit Webzugriff kann die KI Zuverlässigkeit nicht beurteilen
- Mustererkennung ohne Verständnis: Die KI erkennt Muster, wo keine sind
Was bedeutet das für Versicherungsfragen?
Im Versicherungsbereich können Halluzinationen bedeuten:
- Empfehlung eines nicht existierenden Tarifs
- Falsche Auslegung von Versicherungsbedingungen
- Erfundene Deckungssummen oder Leistungsausschlüsse
- Veraltete Informationen als "aktuell" dargestellt
Das Risiko von Halluzinationen zeigt: Für finale Entscheidungen und die feinen Details brauchen Sie auf absehbare Zeit doch noch einen menschlichen Berater.
So nutzen Sie KI-Tools richtig für Versicherungsrecherche
Die Unterstützung durch Chat GPT, Perplexity oder Googles Gemini kann extrem nützlich sein – wenn man ihre Grenzen kennt, im Umgang mit ihnen geübt ist und sie richtig einsetzt. Hier ein paar Strategien für die sinnvolle Nutzung von KI:
1. Grundlagen verstehen, nicht Entscheidungen treffen lassen
- Sinnvoller Prompt: "Erkläre mir, was eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist und welche Leistungen sie typischerweise umfasst."
- Nicht zielführend: "Welche Berufsunfähigkeitsversicherung ist die beste für mich? Ich bin 35, Ingenieur, verheiratet."
Die KI kann Konzepte erklären. Aber sie kann nicht beurteilen, welcher Tarif zu Ihren konkreten Risiken passt.
2. Detaillierte Prompts statt One-Shot-Fragen
Schwacher Prompt: "Brauche ich eine Rechtsschutzversicherung?"
Besserer Prompt: "Ich bin Angestellter im öffentlichen Dienst, vermiete eine Wohnung und fahre täglich 60 km zur Arbeit. In welchen Bereichen könnte eine Rechtsschutzversicherung für mich sinnvoll sein, welche Bausteine wären weniger relevant?"
Je präziser Ihre Frage, desto hilfreicher die Antwort – aber auch hier gilt: Prüfen Sie jede Empfehlung kritisch.
3. Iterativer Dialog statt einzelner Anfragen
Nutzen Sie KI-Tools wie einen Gesprächspartner. Stellen Sie ihm Rückfragen, fordern Sie ihn heraus:
- "Welche Ausschlüsse sind bei solchen Tarifen typisch?"
- "Was bedeutet diese Klausel konkret?"
- "Welche Alternativen gibt es zu diesem Konzept?"
Ein Chat über einen längeren Dialog hinweg liefert deutlich bessere Ergebnisse als eine einzelne Frage. Chat GPT ist ein guter Sparring-Partner.
4. Keine persönlichen Daten eingeben
Nicht eingeben: Ihre echte Adresse, Ihr exaktes Geburtsdatum, konkrete Gesundheitsdaten, Einkommen oder Vermögenswerte
Stattdessen anonymisieren: "Person Mitte 30", "Einkommen im oberen Mittelfeld", "chronische Rückenprobleme" statt konkreter Diagnosen
KI-Anbieter speichern Ihre Eingaben und trainieren ihre Modelle damit. Datenschutz ist nicht garantiert. Vor allem nicht bei US-amerikanischen oder gar chinesischen Tools.
5. Quellen immer selbst prüfen
Wenn die KI auf Webseiten oder Studien verweist, tun Sie Folgendes:
- Öffnen Sie jeden Quellen-Link und prüfen Sie selbst
- Suchen Sie die zitierte Information im Original heraus
- Achten Sie auf die Aktualität und Glaubwürdigkeit der Quelle
Moderne KI-Tools können Links erfinden, die gar nicht existieren. Verlassen Sie sich nicht auf Quellenangaben ohne eigene Prüfung.
6. Mehrere KI-Tools miteinander vergleichen
Erhalten Sie unterschiedliche Antworten von ChatGPT, Perplexity und Gemini? Dann fragen Sie nochmal genauer nach oder holen Sie menschliche Expertise ein.
Beispiel aus der Praxis: Ein Kunde fragte drei KI-Tools nach der "besten Hausratversicherung". Die Empfehlungen waren komplett unterschiedlich – weil alle drei auf andere Quellen zugriffen und diese unterschiedlich interpretierten.
7. Als Vorbereitung für ein Beratungsgespräch
Der beste Einsatz von KI-Tools überhaupt: Vorbereitung auf ein Gespräch mit einem echten Experten.
- Lassen Sie sich vorab Fachbegriffe und Sachverhalte erklären
- Verstehen Sie die Grundkonzepte von Versicherung und Vorsorge
- Entwickeln Sie konkrete Fragen
So vorbereitet sparen Sie Zeit und bekommen eine professionelle Beratung beim Versicherungsmakler.
Hengstenberg & Partner – Ihre Alternative zur KI
Sie dachten, mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz könnten Sie Ihren Versicherungskram schneller erledigen? Wenn Sie es sich wirklich bequem machen möchten, geben Sie Ihre Versicherungsangelegenheiten in die Hände von Profis.
1. Praxiserfahrung statt Datenmenge
Mehr als 40 Jahre Arbeit mit Versicherern – wir wissen aus der täglichen Praxis:
- Welcher Versicherer Schäden in der Regel zügig reguliert, wo es erfahrungsgemäß zu Verzögerungen kommt
- Bei welchen Tarifen es im Kleingedruckten Fallstricke gibt, die in der Praxis relevant werden
- Wann sich Verhandlungen mit dem Versicherer lohnen – und wann nicht
2. Selektierter Zugang statt Massenvergleich
Wir arbeiten nicht mit allen Versicherern – sondern gezielt mit denen, die für unsere Kunden die beste Leistung bringen:
- Exklusive Genossenschaftstarife über die VEMA
- Spezialtarife für Berufsgruppen und Sondersituationen
- Ausgewählte Versicherer, die sich in der Praxis bewährt haben
3. Individuelle Bedarfsanalyse im Gespräch
Persönliche Gespräche statt Standardabfrage – dafür braucht es Erfahrung und Menschenkenntnis. Wir erfassen:
- Ihre berufliche Situation mit allen Besonderheiten
- Ihre familiären Verhältnisse und Zukunftspläne
- Ihre Risikobereitschaft und Sicherheitsbedürfnisse
- Ihre Gesundheitsvorgeschichte
4. Langfristige Begleitung – auch im Schadenfall
Versicherungen sind keine einmalige Entscheidung. Wir begleiten Sie über Jahre:
- Anpassung bei Veränderungen wie Heirat, Kinder, Immobilienkauf
- Optimierung bestehender Verträge
- Unterstützung bei Schadensmeldungen
- Verhandlung mit Versicherern bei Streitfällen
5. Haftung statt Haftungsausschluss
Wir haften mit 4,0 Millionen Euro Vermögensschadenhaftpflicht für unsere Beratung. Wenn wir einen Fehler machen, zahlen wir. Eine KI haftet für nichts – wenn die Empfehlung falsch war, ist es Ihr Problem.
Was das konkret bedeutet:
- Persönliche Verantwortung für jede Empfehlung
- Transparente Arbeitsweise ohne versteckte Kosten
- Rechtssicherheit für Sie als Kunde
Nutzen Sie die KI – aber verlassen Sie sich nicht darauf
Seien Sie sich bei der Verwendung von ChatGPT und Co. bewusst: Sie erhalten eine Empfehlung ohne Haftung, ohne Praxiserfahrung aus Schadensfällen, ohne vollständige Marktkenntnis. Versicherungen begleiten Sie über Jahrzehnte. Falsche Entscheidungen rächen sich erst Jahre später – wenn es zu spät ist für Korrekturen.
Sie haben mit Chat GPT recherchiert und sind unsicher?
Nutzen Sie KI für Grundlagenwissen. Und holen Sie sich für die finale Entscheidung professionelle Beratung. Wir prüfen, ob die Empfehlungen der Künstlichen Intelligenz zu Ihrer Situation passen – und zeigen Ihnen, was das Tool übersehen hat.
Antworten auf häufige Kundenfragen (FAQ)
Kann ich ChatGPT für eine erste Orientierung nutzen?
Ja, für grundlegendes Verständnis sind KI-Tools geeignet. Lassen Sie sich Fachbegriffe erklären, verstehen Sie die Konzepte – aber treffen Sie keine finalen Entscheidungen auf dieser Basis. Nutzen Sie KI zur Vorbereitung auf ein Beratungsgespräch, nicht als Ersatz dafür.
Sind moderne KI-Tools mit Webzugriff nicht aktueller als ein Makler?
Nein. Webzugriff bedeutet nicht automatisch Qualität. Die KI kann auf veraltete oder fehlerhafte Webseiten zugreifen, ohne deren Zuverlässigkeit zu bewerten. Ein erfahrener Makler weiß aus täglicher Praxis, welche Änderungen aktuell am Markt stattfinden – ohne erst im Web suchen zu müssen.
Warum sollte ich einem Makler mehr vertrauen als einer "neutralen" KI?
- Haftung: Wir haften persönlich mit 4,0 Millionen Euro für unsere Beratung. Chat GPT haftet für nichts.
- Praxiserfahrung: Wir kennen Versicherer aus jahrelanger Zusammenarbeit. KI kennt nur Daten.
- Individualität: Wir erfassen Ihre komplette Situation. Die Künstliche Intelligenz arbeitet mit Standardparametern.
Was kostet eine Beratung durch einen Versicherungsmakler?
Nichts zusätzlich. Wir werden über Courtagezahlungen der Versicherer vergütet, die bereits in den Beiträgen enthalten sind. Sie zahlen nicht mehr als bei einem Direktabschluss oder über ein Online-Portal. Der Unterschied: Sie bekommen bei uns professionelle Beratung, laufende Betreuung und Unterstützung im Schadenfall – ohne Mehrkosten.
Kann ich Künstliche Intelligenz und Versicherungsmakler kombinieren?
Absolut. Die beste Strategie. So sparen Sie Zeit und bekommen trotzdem professionelle Beratung!
- Nutzen Sie KI für Grundlagenwissen
- Entwickeln Sie konkrete Fragen
- Kommen Sie zu uns mit diesem Vorwissen
- Wir erarbeiten die passende Lösung
Gibt es Bereiche, wo die KI besser ist als ein Makler?
Ja, die Künstliche Intelligenz ist ziemlich gut bei der Erklärung von Fachbegriffen, einem schnellen Überblick über Konzepte und der 24/7-Verfügbarkeit für einfache Fragen. Noch dazu geduldig ohne Ende.
Aber sobald es um konkrete Entscheidungen geht, brauchen Sie einen Menschen mit Erfahrung und Marktkenntnis.
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KI-Tools sind nur eine von vielen vermeintlich einfachen Lösungen für Versicherungsfragen. Auch Vergleichsportale versprechen den perfekten Überblick – zeigen aber nur einen Teil des Marktes. Versicherungs-Apps sind vollwertige Makler mit allen Konsequenzen. Und Testberichte bewerten nach Standardkriterien, nicht nach Ihrer individuellen Situation.
In unserem Ratgeber Versicherungsvergleiche stellen wir digitale Alternativen einer persönlichen Betreuung durch uns als freier Versicherungsmakler gegenüber.
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